Keramik verkaufen online: Wie Julia mit ihren Unikaten ein Business aufbaut

Von Kunsttherapie zur Keramik: Wie alles begann
Julia, du hast Kunsttherapie studiert – wie kam der Ton in dein Leben?
Ich habe in München Kunsttherapie studiert und dort schon mit Ton gearbeitet – damals allerdings vor allem im therapeutischen Bereich. Das hat mir von Anfang an unglaublich viel Freude gemacht.
Während eines Praktikums in einem Kinder- und Keramikmalatelier durfte ich dann zum ersten Mal Gebrauchsgegenstände töpfern. Da war sofort klar: Das ist genau das, was ich machen möchte.
Seit 2011 töpferst du. Wann wurde daraus mehr als ein Hobby?
Eigentlich war der Wunsch schon immer da. Ich wollte irgendwann einmal als Keramikerin arbeiten. Aber so ein Traum braucht Zeit. Man kauft nicht einfach einen Ofen und legt los – das Handwerk ist aufwendig und die Ausstattung kostet viel Geld.
Deshalb bin ich Schritt für Schritt gegangen. Ich habe mein Selbstbedienungslädchen aufgebaut, viele andere kreative Produkte entwickelt und dabei mein eigentliches Ziel nie aus den Augen verloren. Heute darf ich genau das machen, was ich immer machen wollte. Das macht mich jeden Tag glücklich.
pünktchen.liebe: Das Selbstbedienungslädchen mit Vertrauenskasse
2022 hast du dein Lädchen eröffnet – wie kam die Idee dazu?
Die Idee kam über Instagram. Dort habe ich zwei Frauen aus Papenburg entdeckt, die ein Selbstbedienungslädchen betrieben. Ich fand das Konzept sofort großartig und wollte es auch hier umsetzen.
Damals war das in Bochum noch etwas ganz Besonderes. Die WAZ, der WDR und mehrere lokale Zeitungen haben darüber berichtet. Das war natürlich aufregend und hat mich sehr gefreut.
Was hat dich überrascht, als das Lädchen lief?
Vor allem das Vertrauen der Menschen.
Ich habe wirklich tolle Kundinnen und Kunden. Es kommt nur ganz selten vor, dass die Kasse einmal nicht stimmt. Und wenn doch, warte ich meistens ein paar Tage. Oft ist es einfach nur vergessen worden – und fast immer wird der Betrag anschließend noch bezahlt.
Mein Lädchen liegt außerdem ein bisschen versteckt. Das ist für neue Besucher manchmal nicht ganz so einfach, sorgt aber auch dafür, dass dort kaum jemand vorbeikommt, der nicht bewusst zu mir möchte. Ich sage immer: „So kommt auch nichts weg, was nicht weg soll." Fluch und Segen zugleich.
Warum der eigene Onlineshop der nächste Schritt war
Jetzt kommt mit JuSt dots ein eigener Onlineshop dazu. Warum jetzt der nächste Schritt?
Keramik war immer mein großes Ziel. Gleichzeitig wollte ich mich kreativ weiterentwickeln und nicht auf der Stelle stehen bleiben.
In jedem Becher stecken viele Arbeitsschritte, viel Zeit und ganz viel Herzblut. Mit einem Onlineshop kann ich Menschen erreichen, die nicht aus Bochum kommen und meine Keramik trotzdem lieben.
Er bringt meine Keramik zu Menschen in ganz Deutschland. Vor Ort erreiche ich natürlich vor allem Bochum und die Umgebung. Der Onlineshop eröffnet einfach viel mehr Möglichkeiten.
Marktplatz oder eigener Shop: Julias klare Entscheidung
War dir schnell klar, dass du einen eigenen Shop willst – oder hast du andere Wege überlegt?
Mir war wichtig, dass die Menschen wissen, bei wem sie kaufen.
Ich möchte, dass jemand sagt: „Den Becher habe ich bei JuSt dots gekauft." Nicht bei irgendeinem Marktplatz. Hinter jedem Stück stecke ich selbst – und genau das soll auch sichtbar sein.
Das ist der zentrale Unterschied zwischen einem eigenen Shop und Plattformen wie Etsy oder Instagram-Verkauf: Auf Marktplätzen verschwimmst du in der Masse. Ein eigener Onlineshop macht dich zur Marke. Die Beziehung zur Kundin oder zum Kunden verläuft direkt – nicht über eine Plattform dazwischen.
Was hat dich bei der Entscheidung für Azoo überzeugt?
Es war erstaunlich unkompliziert.
Es ist nicht so einfach mit den Rechtstexten, Versand und dem Einstellen der Produkte. Aber das gehört dazu. Der größte Aufwand liegt ohnehin darin, jedes Einzelstück zu fotografieren, auszumessen und zu beschreiben. Mit der Zeit entwickelt man dafür aber eine gute Routine.
So organisierst du Unikate im Shop – ohne dass es chaotisch wird
Deine Stücke sind alle Unikate – wie zeigst du das im Shop übersichtlich?
Das entwickelt sich noch.
Im Moment arbeite ich mit Kategorien und verschiedenen Serien. Ob das langfristig die perfekte Lösung ist, wird sich zeigen. Aber genau das gehört für mich auch dazu: Man entwickelt sich weiter und lernt mit jedem Shop-Drop dazu.
Da jedes Stück ein Einzelstück ist, bleibt das Sortiment ohnehin überschaubar.
So kannst du Unikate in deinem Shop organisieren – Schritt für Schritt:
- Kategorien als Struktur nutzen – Becher, Schalen, Deko – geben dem Shop erste Orientierung.
- Serien bilden – Farbgruppen, Formen oder Themes (z.B. „Herbstkeramik", „Minimalistisch", „Gemustert") helfen, ähnliche Stücke zu gruppieren, ohne dass es monoton wirkt.
- Fotografieren – jedes Stück einzeln, ja das dauert, aber es ist essentiell. Jedes Unikat braucht mehrere Bilder (Vorderseite, Detail, Benutzung).
- Beschreibung - das ist deine Chance auf Sichtbarkeit für deinen Shop. Erzähl, was das Stück besonders macht. Eine kleine Unebenheit? Das macht es echt, nicht fehlerhaft.
- Niedrige Stückzahlen – Bei Unikaten ist ja immer nur 1 Stück verfügbar Das signalisiert Knappheit und Authentizität.
- Shop-Drops statt ständige Verfügbarkeit – mach es wie Julia und lade regelmäßig neue Stücke hoch, anstatt einen statischen Katalog anzulegen. Das schafft Spannung und holt die Leute immer wieder in deinen Onlineshop zurück.
Familie und kreatives Business: Wie Julia beides vereinbart
Der Name JuSt dots trägt deine Initialen und drei Punkte für deine drei Töchter. Wie viel von deiner Familie steckt in der Arbeit?
Sehr viel.
Ich bin unglaublich froh, dass ich von zu Hause aus arbeiten kann. So kann ich meinen Beruf genau so ausüben, wie es zu unserem Familienleben passt.
Meine Kinder stehen immer an erster Stelle. Wenn sie mich brauchen, bin ich da. Und wenn sie in der Schule sind, schlafen oder selbst kreativ werden, arbeite ich. Diese Freiheit bedeutet mir unglaublich viel.
Der Launch: Überwältigend und in 30 Minuten fast ausverkauft
Was war das erste Feedback auf den neuen Shop?
Einfach überwältigend.
Ich hatte den Shop über Instagram angekündigt und nach etwa einer halben Stunde war fast alles verkauft. Ich habe eine wunderbare Community. Eine Bestellung nach der anderen ging ein und ich konnte mein Glück kaum fassen.
Was war der unangenehmste Moment beim Start?
Eigentlich lief alles sehr rund. Es gab allerdings eine Kundin, die sehr verärgert war, weil sie keinen Becher mehr bekommen hat und mich das sehr hat spülen lassen. Das war natürlich nicht so schön.
Aber handgedrehte Keramik braucht Zeit. Ich arbeite allein und jedes Stück entsteht mit meinen eigenen Händen. Deshalb sind die Stückzahlen begrenzt. Zum Glück wissen die meisten meiner Kundinnen und Kunden genau das zu schätzen.
Tipps von Julia für andere kreative Handwerker:innen
Würdest du im Rückblick etwas anders machen?
Nein.
Natürlich lernt man ständig dazu. Aber insgesamt bin ich sehr glücklich mit dem Weg, den ich gegangen bin.
Was rätst du jemandem, der schon lange ein Hobby hat, sich aber nicht traut, daraus etwas Eigenes zu machen?
Da muss ich sofort an mein großes Vorbild Pippi Langstrumpf denken: „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe."
Mit dieser Einstellung bin ich schon oft gut gefahren.
Gleichzeitig finde ich aber auch: Nicht jedes Hobby muss zum Beruf werden. Ein Hobby darf einfach ein Hobby bleiben und ein schöner Ausgleich sein. Sobald daraus ein Beruf wird, verändert sich auch vieles.
Für mich war es genau der richtige Schritt – aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Wo soll JuSt dots in einem Jahr stehen?
Ich habe noch einige Ideen im Kopf, die ich im Moment aber lieber für mich behalte. Mein Wunsch ist es, mein Keramiksortiment weiter auszubauen und regelmäßige Shop-Drops anbieten zu können. Vielleicht schaffe ich es sogar einmal auf einen Keramikmarkt – das würde mich sehr freuen, auch wenn das mit drei Kindern organisatorisch nicht immer ganz einfach ist.
Eines möchte ich mir auf jeden Fall bewahren: die Freude am Gestalten. Deshalb nehme ich momentan für die Keramik ganz bewusst keine Auftragsarbeiten an. Ich möchte aktuell frei arbeiten, Neues ausprobieren und meine eigene Handschrift weiterentwickeln. Genau das ist JuSt dots für mich.
Du möchtest auch Keramik online verkaufen? Hier ist das Wichtigste im Überblick
Viele Fragen tauchen auf, wenn man sich selbst überlegt, ob das Handwerk zum Business wird. Lass mich ein paar davon beantworten.
Brauchst du ein großes Lager, um online zu verkaufen? Nein – nicht, wenn du Unikate oder kleine Serien machst wie Julia. Jedes Stück einzeln, begrenzte Mengen. Das schafft sogar Vorteile: Authentizität und Knappheit wirken, Menschen kommen immer wieder zurück zu deinen Shop-Drops.
Wie lange dauert Handgedrehte Keramik wirklich? Das ist eine Frage, die sich schnell beantwortet, wenn man in den Produktionsprozess schaut: Ton werfen, brennen, glasieren, nochmal brennen – jedes Stück braucht Zeit. Genau das ist dein Verkaufsargument: „Handgemacht, nicht Massenware." Das verstehen deine Kundinnen und Kunden.
Muss ich vorher einen physischen Shop haben, um online erfolgreich zu sein? Nein, nicht zwingend. Aber wie Julia zeigt, kann ein lokales Geschäft – mit Vertrauenskasse – eine großartige Basis sein, um Community aufzubauen. Du kannst aber auch direkt mit dem Onlineshop starten. Beides funktioniert.
Kann ich Familie und ein Keramik-Business wirklich vereinbaren? Ja – wenn du von zu Hause aus arbeitest und flexible Strukturen schaffst. Julia zeigt, dass es funktioniert, wenn das Business zu deinem Leben passt, nicht umgekehrt. Die richtige Plattform hilft dabei enorm.
Was ist besser: Marktplatz oder eigener Shop? Das hängt von deinem Ziel ab. Marktplätze wie Etsy bringen Reichweite, erfordern aber Provisionen und du verlierst die direkte Beziehung zu Kund:innen. Ein eigener Shop macht dich zur Marke – Menschen kaufen bewusst bei dir, nicht auf der Plattform. Für jemanden wie Julia war das der entscheidende Punkt für den eigenen Onlineshop.
Danke, Julia
Danke, dass du deine Geschichte mit uns teilst. Du zeigst, dass der Weg vom Hobby zum professionellen Business kein großer Sprung sein muss, sondern Schritt für Schritt funktioniert. Mit Geduld, Vertrauen und der Freude an deinem Handwerk. Für alle, die mit ihrer Kreativität liebäugeln: Julia beweist, dass es möglich ist – und dass dabei auch noch Zeit für Familie bleibt.
Schau dir unbedingt Julias Shop JuSt dots an und besuche sie auf Instagram.
Keramik online verkaufen: Mit der richtigen Shop-Lösung gehts
Mit einem eigenen Onlineshop bringst du deine handgedrehte Keramik direkt zu den Menschen, die sie lieben. Azoo bietet dir genau dafür alle Features, die du brauchst: Kategorisierung für Übersichtlichkeit, flexible Produktverwaltung für Unikate und die Möglichkeit, deine Beziehung zu Kundinnen und Kunden selbst zu gestalten – nicht über einen Marktplatz.
Schau dir auch Julias Shop JuSt dots an – hier kannst du sehen, wie echte Keramik online aussieht. Mehr Shop-Beispiele und Erfolgsgeschichten anderer Handwerker:innen findest du auf dem Azoo Blog.
Mehr Interviews mit Handmade-Creator:innen: Erfahre, wie Ulla ihr Statement-Schmuck-Label Perlenlust aufgebaut hat oder wie Martina mit Stoff pur ihre Textilien online verkauft – alles ohne Tech-Stress, mit fairen Preisen und persönlichem Support.